Ewa Lipska I Adam Zagajewski

Inmitten aller Entscheidungen bezüglich der Änderungen im literarischen Schulkanon erscheint vor allem die Streichung der Gedichte von Adam Zagajewski und Ewa Lipska politischen Charakter zu haben. Beide Poeten äußerten sich des Öfteren negativ über die aktuelle Regierung Polens. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sie zu den wichtigsten und bedeutendsten zeitgenössischen Dichtern in Polen zählen. Ihr Verdienst für die polnische Dichtkunst ist von unschätzbarem Wert, ihre Gedichte werden in zahlreiche Sprachen übersetzt und tragen somit zur Förderung der polnischen Kultur weltweit bei.

Ewa Lipska und Adam Zagajewski sind Altersgenossen (1945). Sie debütierten beide in den sechziger Jahren, leben und schaffen seit Jahren in Krakau und sind Mitglieder des polnischen PEN-Clubs. In ihren Werken beschäftigen sie sich mit dem Polen der Nachkriegszeit, dem Kommunismus und der Zerissenheit zeitgenössischer Künstler und Philosophen. Bis heute sind sie kreativ tätig, schreiben Gedichte, Essays, Romane und gewinnen renommierte Preise.

„Ich habe noch nie einer Partei angehört, genauso wenig einem Komitee, dass jemanden unterstütze. Ich bin der Meinung, dass ein Autor jede (politische) Macht kritisch hinterfragen sollte. Die Premierministerin Szydło sprach im Radiosender Radio Maryja davon, dass wir unsere Privilegien und persönlichen Interessen verteidigen. Ich würde Ihnen gerne sagen, liebe Frau Premierministerin, dass einst so die Kommunisten redeten. Sprache ist wie Quecksilber in einem Thermometer, sie zeigt die Temperatur der Zeit an, in der wir leben. Und zu den Stimmen der Kollegen der Premierministerin, die sagen, dass wir auf jüdische Finanzen angewiesen sind, – dass sind exakt dieselben Worte, die uns Gomułka und Moczar zugerufen haben. Schuldig sind bekanntermaßen immer die Juden und die Radfahrer.“

Ewa Lipskas Kommentar stammt aus einem Interview mit Donata Subbotko, „Epitafium dla tyrana“, 30. 1. 2016, in: wyborcza.pl

„Es ist nicht die Opposition, die total ist, sondern die (politische) Macht. Am beunruhigendsten momentan ist die Bestrebung, die Unabhängigkeit des Gerichtswesens zu beseitigen – die Säulen des demokratischen Rechtstaats. […] Das Gesetz ist schön, weil es unsere Freiheit schützt. PiS ist gegen einen Großteil der Intelligenzia, welche sie abwertend als die dritte Elite der Dritten Polnischen Republik/ Establishment betiteln. Sie inszenieren sie als Diebe und Betrüger, die früher den Kommunisten dienten. Das ist einfach lächerlich.“

Der Ausschnitt stammt aus einem Interview zwischen Adam Zagajewski und Szymon Piegz am 7.6.2017 für onet.pl

 

Text: Natalia Staszczak-Prüfer

Übersetzung ins Deutsche: Olga-Mai Wörister