Ferdydurke – Witold Gombrowicz

Kurze Zusammenfassung des Werkes „Ferdydurke“ von Witold Gombrowicz

Józio Kowalski fühlt sich zugleich erwachsen und unreif. Seine Umgebung lässt ihn endlich heranreifen und zu einem selbstständigen Mann werden, aber sein erstes literarisches Werk „Tagebuch aus der Zeit des Reifens“ wird von der Kritik als überaus unreifes Werk aufgenommen (ein autobiografisches Thema aus Gombrowicz‘ Leben). Als der 30-jährige Józio beschließt, ein neues Buch zu schreiben und so seine Reife zu beweisen, sucht ihn plötzlich Professor Pimko zu Hause auf und entscheidet, den Helden erneut in die Schule zu schicken. Józio nimmt am Unterricht teil und lernt neue Mitschüler kennen. Die Schule als Institution „verspottet“ junge Menschen – sie trichtert ihren Schülern belanglose Banalitäten ein, sorgt für eine Erziehung in einem Zustand absoluter Unwissenheit oder „Unschuld“, drängt ihnen eine Weltanschauung auf und gestattet weder Individualismus noch unabhängiges Denken. Die Schüler wehren sich gegen ihre „Unschuld“, indem sie zum Beispiel Schimpfwörter benutzen, was allerdings ihre Befolgung der geltenden Regeln nur noch mehr hervorhebt. Nach dem Unterricht in der Schule bringt Professor Pimko Józia zur Familie Jungmann, bei der der Schüler wohnen soll. Die Jungmanns wollen auf geradezu absurde Art und Weise modern und offen sein. Zum Beispiel reden sie ihrer jungen Tochter Sutka zu, sich von einem Unbekannten schwängern zu lassen, sie verabscheuen Konventionen und sie glauben, dass sie die junge Generation verstehen. Ein Objekt des Kultes im Hause Jungmann ist die Wade – ein Symbol für Jugend und Aktivität. Józio versucht, den Schein der Moderne zu durchbrechen. Er führt eine nächtliche Verabredung im Zimmer der ihn permanent ignorierenden Sutka herbei. Das Mädchen erhält nachts gleichzeitig Besuch von ihrem jungen Verehrer Kopyrda und dem alten Professor Pimko. Als die Eltern von den nächtlichen Verabredungen ihrer Tochter erfahren, ist die Heuchelei der Moderne beendet. Es kommt zu einem Kampf, Józio verlässt das Haus der Familie Jungmann und gelangt mit seinem Freund Mjentus in die Stadt. Er verfällt ziemlich schnell in eine andere Form des gesellschaftlichen Lebens – die des Landadels. Józias Tante Herlecka bringt ihn zu ihrem Herrenhaus. Mjentus missachtet die Regeln des Hauses, indem er zunehmend engen Kontakt mit dem Diener hält, obwohl dies nicht dessen Herkunft entspricht. Der Hofdienst lehnt sich auf. Józio verlässt den Hof und entführt seine entfernte Cousine Zosia. Er gerät in eine neue Form – die eines verliebten Mannes, der sich an seine Frau schmiegt.

Wissenswertes:

  • Das Werk „Fedydurke“ wird ab dem Schuljahr 2019/20 von den Schülern nur noch in Auszügen besprochen
  • Im Jahr 2007 distanzierte sich der damalige Bildungsminister Roman Giertych von der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) vollständig von der Leseliste, auf der unter anderem „Ferdydurke“ von Witold Gombrowicz stand, was zur Entrüstung der Medien und einem Anstieg der Buchverkäufe um rund 70% führte. Die Anordnung von Giertych wurde durch den damaligen Premierminister Jarosław Kaczyński aufgehoben
  • Im Roman tauchen drei Schlüsselwörter auf, die Wirklichkeit erschaffen. Das sind das Maul, der Po und die Wade
  • Witold Gombrowicz zählt zu den größten polnischen Schriftstellern und ist noch immer Gegenstand zahlreicher Bücher. Im September 2017 veröffentlichte Klementyna Suchanow in Polen die zweibändige Biographie „Ja, geniusz“ [deutsch: Gombrowicz]. Die Autorin ist Redakteurin, Übersetzerin und politische Aktivistin im „Strajk Kobiet“ [Streik der Frauen]. Sie protestiert gegen Aktionen der polnischen Regierung. Im Juli 2018 legte die Polizei ihr Handschellen an, weil sie versuchte, mit Spray an die Mauern des Gebäudes des polnischen Sejms zu schreiben. Das Foto von ihr in Handschellen wurde zum Symbol der Protestierenden.

 

Autorin: Natalia Staszczak-Prüfer

Übersetzung aus dem Polnischen ins Deutsche: Lisa Schröer