Herz der Finsternis – Joseph Conrad

Kurze Zusammenfassung des Werks „Herz der Finsternis“ („Jądro ciemności”) von Joseph Conrad

Erzähler der Geschichte ist der englische Seemann Charlie Marlow, der über seine Expedition nach Afrika als Dampferkapitän berichtet. Mit einem französischen Dampfer fährt er die Küsten entlang, um die indigenen Völker zu sehen, und die Kolonisatoren aus Europa, die sie grausam ausbeuten. Die weißen Menschen behandeln die Einwohner Afrikas wie Sklaven. Marlow beschreibt Straftaten, Verbrechen und die Gier der Kolonisatoren. Von der Station aus reist er mit einer Karawane zu dem Ort, an dem er auf das Schiff warten will, das er befehligen soll. Wie sich herausstellt, ist das Schiff gesunken. Mit der Hilfe anderer muss er es deswegen an Land holen und reparieren, was mehrere Monate dauert. Während dieser Zeit beobachtet Marlow die Bedingungen und Verhältnisse in der Kolonie. Die Weißen sprechen fortwährend über Elfenbein und streiten sich über Gewinne und Handel. Alle sprechen über Kurtz, den Vertreter einer anderen Station, der Kolonisatoren und Eingeborene für sich gewinnen konnte. Er erzielt große Gewinne, erregt Bewunderung und Anerkennung und wird als „Bote der Barmherzigkeit“ bezeichnet. Alle begegnen ihm mit größtem Respekt, nur Marlow empfindet Abneigung gegen den Mann, den er nicht kennt, und über den er nur außerordentlich Gutes hört. Es stellt sich heraus, dass Kurtz krank und schwach ist, und dass es Marlows Aufgabe ist, ihn zu retten. Marlow und seine Mannschaft fahren flussaufwärts und beobachten den wilden Dschungel. Marlow findet eine Hütte, in der jemand ein Buch über das Segeln und die Aufforderung, vorsichtig weiterzufahren, hinterlassen hat. Am nächsten Tag greift eine Gruppe von Einheimischen das Marlows Schiff an. Der Steuermann stirbt und das alte Schiff wird immer mehr zerstört. Schließlich erreicht Marlow die Station, in der Kurtz lebt. Er wird von einem jungen russischen Seemann empfangen, der Kurtz verehrt und erzählt, wie sehr die Einheimischen und die Kolonisatoren ihren Herrscher Kurtz bewundern. Ihm zufolge wollen die Einheimischen Kurtz nicht gehen lassen und nicht zulassen, dass Marlow ihn mitnimmt. Sie halten verschiedene Zeremonien ab, bringen Opfer, und sind ihm vollständig unterworfen. Marlow weiß nicht, was er davon halten soll, da er den mysteriösen Kurtz noch immer nicht kennt und nicht weiß, ob er ein gefährlicher Kolonisator oder jedermanns Freund ist. Schließlich trifft Marlow persönlich auf Kurtz, der schwach und krank ist, aber trotzdem noch immer die Menge regiert und ihr Herrscher ist. Am nächsten Tag machen sich Kurtz und Marlow mit dem Boot auf den Rückweg. Die Einheimischen schreien, tanzen und sind verärgert, lassen ihren Herrscher aber ziehen. Während der Reise spricht Kurtz über seine Pläne und seine Mission. Marlow versteht daraufhin immer mehr, welchen Einfluss der charismatische und intelligente Kurtz auf die Menschen hat. Kurtz stirbt im Laufe der Reise, nachdem er zuvor seinem Begleiter seine Dokumente anvertraut hat. Marlow kehrt nach Europa zurück und sucht die Verlobte Kurtz‘ auf, der er die ihm anvertrauten Papiere aushändigen möchte. Auch sie behandelt Kurtz als ihren Herrscher und als Vertreter der richtigen Idee, weint für ihn und vermisst ihn. Marlow lügt und behauptet, dass Kurtz‘ vor seinem Tod als letztes ihren Namen gesagt hat, dann verlässt er sie.

Wissenswertes:

  • Das Werk wird ab dem Schuljahr 2019/2020 vollständig vom Lehrplan gestrichen (Bildungsministerin Anna Zalewska hat am 30.01.2018 die Verordnung über das neue Lehrgesetz unterzeichnet);
  • Der eigentliche Name von Joseph Conrad ist Józef Teodor Konrad Korzeniowski. Der Autor emigrierte im Alter von 17 Jahren aus Polen. Die wichtigsten Werke, die ihn zu einem der bedeutenden Autoren Europas gemacht haben, schrieb er auf Englisch, das nicht seine Muttersprache war;
  • Der Sejm der Republik Polen rief 2017 das Joseph-Conrad-Jahr aus, weshalb in Polen viele kulturelle Veranstaltungen stattfanden, die dem Werk und der Person des Schriftstellers gewidmet waren;
  • In seinem bekannten Film „Apocalypse Now“ aus dem Jahr 1979 bezieht sich der Regisseur Francis Ford Coppola auf „Herz der Finsternis“, überträgt die Handlung des Werks allerdings in die Zeit des Vietnamkriegs;
  • Der Roman enthält autobiografische Themen. Der Autor war Seemann. Zuerst diente er in der französischen, dann in der britischen Marine. Im Jahr 1890 arbeitete er mehrere Monate in Belgisch-Kongo, wo er das Kommando über ein Handelsschiff übernehmen sollte, das, wie sich herausstellte, einen Unfall hatte. Joseph Conrad musste das Kommando über ein anderes kleines Schiff übernehmen, da der Kapitän erkrankt war. Mit Fieber und Dysenterie trat er von seinem Auftrag zurück.
  • Seit dem Jahr 2009 gibt es in Krakau das Conrad Festival – ein jährlich stattfindendes internationales Literaturfestival. Seit dem Jahr 2015 wird im Rahmen der Veranstaltung der Conrad-Preis für das beste literarische Debüt verliehen;

Autorin: Natalia Staszczak-Prüfer

Übersetzung aus dem Polnischen ins Deutsche: Lisa Schröer