Meine Reisen mit Herodot – Ryszard Kapuściński

Kurze Zusammenfassung von „Meine Reisen mit Herodot“ („Podróże z Herodotem”)

„Meine Reisen mit Herodot“ ist eine Sammlung kurzer Reportagen über Expeditionen des Autors in verschiedene Länder Asiens und Afrikas. Darin sind autobiografische Themen vertreten. Es geht um seine ersten dienstlichen Reisen, die er in den 1960er und 1970er Jahren unternommen hat. Die Beschreibungen werden durch ein Buch des antiken griechischen Geschichtsschreibers Herodot zusammengehalten, das der Journalist in die ganze Welt mitgenommen hat – die „Historien des Herodot“ waren gewissermaßen die Inspiration für den Autor, seine Reportagen zu schreiben.

Noch während seines Studiums hat der Erzähler das Werk Herodots kennengelernt. Er hat seine Ausgabe der „Historien des Herodot“ auf seine erste Auslandsreise mitgenommen. Seitdem begleitet ihn das Buch fast überallhin. Neben Überlegungen zur antiken Geschichte und zu der Welt, die ihn umgibt, fasst der Protagonist den Inhalt des Buches zusammen und wirft verschiedene Fragen auf. Für ihn war Herodot der erste Reporter der Welt.

Das erste Ziel des jungen Journalisten auf seiner ersten Auslandsreise ist Indien. Das Land fasziniert ihn, aber sein Mangel an Sprachkenntnissen stellt das erste Hindernis dar, es zu verstehen. Der Journalist beobachtet Zeremonien im Zusammenhang mit dem Kult um den Fluss Nil und besucht Städte wie Delhi und Kalkutta. Ein weiteres Land, das der junge Journalist dienstlich bereist, ist China. Er beschreibt die chinesische Gesellschaft, Kultur, Geschichte und Religion. Im Rahmen des polnisch-chinesischen Austausches soll er das kommunistische asiatische Land kennenlernen, bricht seinen Aufenthalt aber wegen politischer Unruhen ab. Das nächste Land, das der Erzähler beschreibt, ist Ägypten. Der Protagonist stellt Überlegungen über die ägyptische Kultur an. Diese hatte Einfluss auf die griechische Kultur, was darauf hindeutet, dass die europäische Kultur ihre Wurzeln gar nicht in Europa hat. Der Erzähler fährt in den Kongo, wo er als Kriegsberichterstatter arbeitet, danach mit Flüchtlingen unterwegs ist und die Vielfalt der afrikanischen Stämme beschreibt. Ein weiteres vom Erzähler beschriebenes Land ist Äthiopien, das unter der Herrschaft eines totalitären Kaisers steht. Die politische Situation in Afrika erinnert ihn an die von Herodot beschriebene alte Geschichte, auf die er sich immer wieder bezieht. Der Erzähler erhält Einladungen nach Tansania und anschließend nach Algerien. Als er dort eintrifft, erfährt er, dass kürzlich durch einen Staatsstreich der Herrscher gestürzt wurde. Auf der senegalesischen Insel Goree nimmt er an einem internationalen Festival der afrikanischen Kultur teil. Das Buch endet damit, dass der Erzähler seinem Bekannten, einem tschechischen Korrespondenten, von seiner Faszination für Herodot und sein Werk erzählt. Er reflektiert seine Reisen und erinnert sich, wie er Material sammelte, woraufhin er seine Gedanken festhalten und für zukünftige Generationen konservieren möchte.

Wissenswertes:

  • Ab dem Schuljahr 2019/2020 wird das Werk in der Schule nicht mehr vollständig, sondern nur noch fragmentarisch gelesen (Bildungsministerin Anna Zalewska hat am 30.01.2018 die Verordnung über das neue Lehrgesetz unterzeichnet).
  • Alicja Kapuścińska, die Witwe des bekannten Reporters, gründete 2009 die Herodot-Stiftung im Namen Ryszard Kapuścińskis, die Stipendien an junge Journalisten im Bereich Reportage vergibt.
  • Ryszard Kapuściński ist einer der am häufigsten übersetzten polnischen Schriftsteller.
  • Die ersten gesammelten Reportagen von Kapuściński wurden 1962 veröffentlicht („Busz po polsku“). „Meine Reisen mit Herodot“ erschien 2004.
  • Nach dem Tod des Journalisten im Jahr 2007 erschienen vier weitere Publikationen.
  • 2010 schrieb Artur Domosławski die Biographie „Kapuściński non-fiction“ (die unter dem Titel „Ryszard Kapuściński. Leben und Wahrheit eines ‚Jahrhundertreporters‘“ ins Deutsche übersetzt wurde) über den Reporter, die für eine Reihe von Kontroversen sorgte. Dabei ging es um politische und persönliche Belange. Die Familie Kapuścińskis warf dem Autor die Verletzung der Privatsphäre vor und erhob Anklage gegen Autor und Herausgeber.

Autorin: Natalia Staszczak-Prüfer

Übersetzung aus dem Polnischen ins Deutsche: Lisa Schröer